Unerfüllter Kinderwunsch – Trauer um Nichts?

Unerfüllter Kinderwunsch – Trauer um Nichts?

Unerfüllter Kinderwunsch und Trauer – das passt für viele Menschen auf den ersten Blick überhaupt nicht zusammen. Denn Trauer verbinden wir in der Regel damit, dass wir etwas, was uns lieb und teuer war, verlieren. Wie zum Beispiel einen uns nahestehenden Menschen. Doch beim unerfüllten Kinderwunsch fehlt es in der Regel genau daran.

Das Kind, das wir uns wünschen, ist noch gar nicht da. Deshalb wird Paaren und vor allem Frauen, die sich sehnlichst ein Kind wünschen, zwar von ihrem Umfeld ein gewisses Leiden daran zugestanden, aber Trauer? Wie kannst du um etwas trauern, das vielleicht nie da war, weil du nie schwanger warst? Oder das in den ersten Schwangerschaftswochen als „Zellklumpen“ abgegangen ist?

Ich möchte dich heute einladen, einmal genauer hinzuschauen. Trauer ist vielschichtiger, als es zunächst den Anschein hat. Gerade in der Kinderwunschzeit und bei unerfülltem Kinderwunsch ist sie stetig präsent. Wir nennen sie nur anders: Enttäuschung, Verzweiflung, Niedergeschlagenheit, Angst, Neid, Schuld, Leere. All diese Gefühle sind da, weil wir das, was wir uns wünschen, nicht haben und vielleicht auch nie haben können.

 

Was ist Trauer überhaupt?

Trauer, wie wir sie heute verstehen, ist ein emotionaler Zustand. Ein Gefühl. Ein seelischer Schmerz. Wir sind zornig, fassungslos, ohnmächtig, wütend oder auch betäubt. Oder wir haben Angst, schämen uns, sind verzweifelt, fühlen uns leer oder geben uns selbst die Schuld an dem, was passiert ist. Etwas hat sich verändert, das sich unserem Einfluss entzieht. Dafür muss nicht unbedingt ein geliebter Mensch sterben. Wir sind einer Situation ohnmächtig – ohne Macht – ausgesetzt.

Dazu gehört auch der unerfüllte Kinderwunsch. Du möchtest gern Kinder, aber sie kommen nicht. Entweder wirst du gar nicht erst schwanger. Oder du wirst zwar schwanger, verlierst die Kinder aber. Für Außenstehende war „noch gar nichts da“, doch für dich haben diese Kinder gelebt, selbst dann, wenn sie noch nicht gezeugt wurden. Denn mit dem Kinderwunsch, der in uns entsteht, entsteht auch ein Bild von dem Kind oder den Kindern, die wir haben möchten.

So waren meine (ungeborenen) Kinder bereits mit dem Entstehen des Kinderwunsches in mir präsent. Es sollte ein Pärchen sein, erst der Junge, dann ein Mädchen. Mein Mann und ich hatten sogar schon Namen für die beiden. Auch der Charakter war mehr oder weniger vorgezeichnet. Ein bisschen was von mir und ein bisschen was von meinem Mann. Ich sah mich mit den Kindern auf dem Arm, mit ihnen spielen und unterwegs sein. Es war eine Traumwelt, aber für mich durchaus real. Mit jeder Regelblutung platzten diese Träume ein bisschen. Meine Kinder starben. Jedes Mal aufs Neue.

Ob also eine Situation wie beim Tod eines geliebten Menschen real besteht oder es sich nur um den Verlust einer Erwartung oder eines Wunsches, wie zum Beispiel beim unerfüllten Kinderwunsch, handelt, ist für das Empfinden von Trauer völlig egal. Die Situation sagt auch nichts darüber aus, wie tiefgreifend dein Schmerz ist. Genauso spielt es keine Rolle, ob deine Mitmenschen deine Trauer nachvollziehen können.

 

Es gibt keine „Standard“-Trauer

Trauer ist auch nicht miteinander vergleichbar, denn jeder Mensch fühlt anders. Gerade beim unerfüllten Kinderwunsch werden wir immer wieder damit konfrontiert, dass Außenstehende unsere Trauer nicht nachvollziehen können. Getreu dem Motto „Da war doch noch gar nichts“ erwarten sie, dass wir weitermachen, als wäre da „Nichts“ gewesen. Doch es ist nicht „Nichts“, um das wir trauern, sondern unser Kind, was fehlt.

Gerade bei Fehlgeburten fehlt oft das Verständnis der Umwelt. Da kommen aufmunternd gemeinte Sprüche wie „Beim nächsten Mal wird es schon klappen“ oder „Wer weiß, wozu es gut war“. Doch wozu soll die Erfahrung einer Fehlgeburt gut sein? Alle rationalen Erklärungen, warum das Kind in deinem Bauch verstorben ist, lindern nicht deinen Schmerz, den du über diesen Verlust fühlst.

Trauer kennt auch keine Zeit. Der Schmerz darüber, dass du keine Kinder bekommen kannst oder sie wieder verloren hast, kann Jahre und Jahrzehnte dauern. Unerfüllter Kinderwunsch bedeutet auch den Verlust einer Lebensvorstellung. Dein Leben wird ohne Kinder definitiv anders aussehen als mit Kindern. Das heißt nicht, dass es deshalb ein schlechtes Leben sein wird, aber es wird eben nicht so sein wie mit Kindern.

Auch die Anzahl der Kinder, die du hast, ändert etwas in deinem Leben. Wenn du dir drei Kinder wünschst, wird bei nur zweien immer etwas fehlen. Deshalb kann der nicht erfüllte Kinderwunsch für ein drittes oder viertes Kind genauso schmerzhaft sein wie für das erste. Das mag für deine Mitmenschen befremdlich sein. Doch in der Trauer gibt es kein Richtig und kein Falsch, sondern nur deine persönliche Trauer.

 

Trauer – der rote Faden beim unerfüllten Kinderwunsch

Trauer zieht sich also wie ein roter Faden durch die Kinderwunschzeit. Und sie wird nach meiner Erfahrung mit jedem vergeblichen Versuch schlimmer. Anfangs nahm ich das Ausbleiben einer Schwangerschaft noch relativ gelassen. Ich sagte mir: Es dauert eben ein bisschen. Doch nachdem das immer und immer wieder passierte, zog es mich immer weiter runter. Um mich herum wurden gefühlt alle Frauen schwanger, aber ich nicht. Das tat weh, so weh, wie ich es mir nicht hatte vorstellen können.

Oftmals kommt dann als nächster Schritt die künstliche Befruchtung. Gerade wenn die Chancen auf eine spontane Schwangerschaft so wie bei uns gering sind, kann die künstlichen Befruchtungen mit ihren höheren Erfolgsraten ein Ausweg sein. Doch auch hier bringt jedes Negativ die Trauer wieder hoch. Wenn dann noch durch Mediziner auf den nächsten Versuch gedrängt wird, so wie wir es erlebt haben, kann Trauer auch nicht ver- und bearbeitet werden.

Auch unüberlegte oder unsensible Reaktionen deines persönlichen Umfeldes machen die Sache nicht gerade leichter. Irgendwann habe ich nicht mehr erzählt, dass wir Kinder wollten, es aber nicht klappte. Ich wollte einfach keine gutgemeinten („Das wird schon noch, bei XY hat es auch gedauert.“) oder blöden Sprüche („Soll ich euch mal zeigen, wie es geht?“) mehr hören. Gerade bei den gutgemeinten Sprüchen fühlte ich mich noch mehr als Versager als ohnehin schon.

Trauer findet sich selbstverständlich auch nach Fehl- oder Totgeburten. Gerade eine hier nicht gut verarbeitete Trauer kann zur Belastung einer künftigen Schwangerschaft und der Eltern-Kind-Bindung führen. Denn die Angst, so etwas noch einmal zu erleben, bleibt hängen. Auch wenn dein Kind nicht gesund oder gar behindert ist, kann sich Trauer einnisten. Denn dein Kind wird anders sein, als du es dir gewünscht hattest, und damit auch dein Leben.

 

Kinderwunschzeit ist auch Lebenszeit

Durch den unerfüllten Kinderwunsch bekommen wir oft einen Tunnelblick. Alles dreht sich nur noch um fruchtbare Tage, Regelfälligkeit, den nächsten Behandlungszyklus. Doch die Kinderwunschzeit ist bei all dem Belastenden doch auch Lebenszeit. Deine Lebenszeit. Die Jahre, die du mit der Erfüllung deines Kinderwunsches verbringst, werden nie wieder kommen. Du wirst nie wieder 25, 31 oder 39 sein.

Deshalb wünsche ich dir, dass es dir gelingt, diese Zeit nicht ausschließlich vom Kinderwunsch bestimmen zu lassen. Viele Frauen und Paare verschieben ihre Pläne auf später. Das können Pläne für einen Jobwechsel sein, weil sie ihren Job öde finden, aber jetzt vielleicht nicht wechseln wollen, damit sie dann wegen einer Schwangerschaft nicht ohne dastehen. Oder auch den Plan umzuziehen, weil die neue Wohnung vielleicht dann schon wieder zu klein ist.

Doch vielleicht ist gerade jetzt die Zeit dafür, etwas in deinem Leben zu verändern. Diese Veränderungen können deinem Leben eine positive Note geben, damit sich nicht alles um den unerfüllten Kinderwunsch dreht. Ein Angehen dieser Schritte bedeutet nicht, dass du deswegen leichter schwanger wirst. Sie können dein Leben aber ausgeglichener gestalten, so dass zur Trauer um dein Kind nicht noch mehr Frust oder Stress kommt. Ich wünsche dir den Mut dafür.

Achte auf dich.

Schreibend durch die Kinderwunschzeit

Schreibend durch die Kinderwunschzeit

 

Wieso schreiben bei Kinderwunsch?

Wie ich schon im ersten Artikel geschrieben habe, habe ich nicht die Lösung für jeden unerfüllten Kinderwunsch.  Doch neben persönlichen Erfahrungen, teile ich auch Erfahrungen aus meiner Praxisarbeit mit euch.

Ich bin seit 2012 Schreibtherapeutin und habe diese Methode noch nie so oft eingesetzt, wie in der Kinderwunschbegleitung. Denn Schreiben hat auch in diesem Bereich große Vorteile und wird auch gern von den Frauen genutzt.

Wieso ist Schreiben gerade in der Kinderwunschzeit so hilfreich?

Schreiben ist zunächst einmal eine Fertigkeit, die der Großteil der Bevölkerung beherrscht. Und dabei ich es in verschiedenen Settings einsetzen. So kannst unter Anleitung schreiben, in der Sitzung, als Hausaufgabe, Online und auch in Eigenregie. Anleitungen zum Schreiben werden so frei wie möglich und so konkret wie nötig formuliert, damit es in die richtige Richtung geht, aber das unbewusste Wissen auch nicht unnötig eingeschränkt wird.

Beim therapeutischen Schreiben, ist das Ziel der emotionale Ausdruck und kognitive Veränderungen. Dabei ist der stilistische Ausdruck völlig nebensächlich. Es geht also nicht darum schöne Texte zu schreiben, sondern authentische. Bereits dadurch kommt es zur Entlastung, wie nach einem Gespräch, in dem man alles loswerden konnte. Doch manchmal reicht das allein nicht aus und es braucht zusätzlich eine neue Perspektive auf die Dinge.  Vor allem, wenn du unter Anleitung und häufiger schreibst, lichtet sich das Chaos und unübersichtliche Sachverhalte werden fassbar, du kannst neue Zusammenhänge erkennen und zu neuen Einsichten kommen. Beim Schreiben kannst du spielerisch die Perspektive wechseln und musst dir keine Gedanken um Konventionen machen. Selbst Fantasiewelten kannst du kreiieren, in denen allen möglich ist.

Schreiben eröffnet dir einen Raum, in dem du dich neu ausprobieren kannst und  die in dir liegenden Lösungen finden kannst.  Wenn sich der Kinderwunsch nicht erfüllt, kann dies körperliche Ursachen haben, die sich nicht beheben lassen. Oft sind es aber auch psychische und/oder psychosomatische Zusammenhänge die eine erfolgreiche Schwangerschaft behindern.

Um diese aufzudecken ergründe ich regelmäßig mit meinen PatientInnen, die eigene Kindheit und die Eltern-Kind-Beziehung. Gab es in dieser Beziehung traumatische Erfahrungen? Haben sich durch die Beziehung zu den Eltern ungünstige Einstellungen zum Mutter- bzw. Vatersein gebildet? Ebenso betrachten wir die Paarbeziehung. Ist in Takt oder gibt irgendwo Klärungsbedarf?

Auch Abhängigkeit ist ein Thema. Zum einen ist die Frage, ob es ungünstige Abhängigkeiten gibt. Anderseits schauen wir aber auch, ob Ängste vor notwendigen Abhängigkeiten bestehen. Denn ein Kind zu bekommen, bedeutet in den meisten Fällen, sich zumindest in der ersten Zeit vom Partner und Staat finanziell abhängig zu machen. Gibt es Ängste vor finanzieller Unsicherheit? Hat die Frau Angst, sich selbst mit einem Kind die berufliche Zukunft zu verbauen oder ihre Selbstverwirklichung einzuschränken?

Auch die aktuelle Lebenssituation schauen wir uns gemeinsam an. Gibt es Umstände, die eine Schwangerschaft behindern? So kann es zum Beispiel sein, dass du mit den Schwiegereltern in einem Haus wohnst, die Beziehung allerdings nicht die beste ist. Dann würdest du dich vielleicht mit einem Kind dort eingesperrt fühlen.

Darüber hinaus können uns auch Aussagen in emotionalen Situationen und ängstliche Einstellungen ein Bein beim Kinderwunsch stellen. Eine Patientin geriet in eine Turbulenz beim Fliegen und meinte zu ihrem Mann: „Ehe ich sterbe, bekomme ich noch ein Kind.“ Für ihren Körper bedeutete das, das sie sterben wird, wenn sie ein Kind bekommen hat. Aus reinem Selbstschutz wurde sie nicht schwanger. Erst als wir diese Blockade lösten, wurde sie nach 4 Jahren erfolglosen Versuchens endlich schwanger und bekam einen gesunden Sohn.

Eine andere Patientin musste zunächst ihren Lebensmittelpunkt in eine andere Stadt verlegen und sich beruflich neu orientieren, damit es endlich klappte mit dem ersehnten Kind.

Doch nicht immer ist es so einfach. Auch schwere und komplexe traumatische Erfahrungen, wie Missbrauch können hinter einem unerfüllten Kinderwunsch stecken.  Auch in diesen Fällen ist das Schreiben eine wunderbare Methode zur Aufarbeitung von Traumata. Dies sollte man jedoch nie allein und Eigenregie versuchen, sondern sich immer professionelle Hilfe suchen.

Im Folgenden gebe ich euch durch ein paar Schreibanleitungen einen kleinen Einblick in die Möglichkeiten der Schreibtherapie.

 

Schreibanleitung -1-

  1. Lege dir eine Mind-map an zu den Stichworten „gute Mutter“. Notiere diese Stichworte in die Blattmitte und trage ringsum alles an, was dir spontan dazu einfällt. Versuche es nicht zu zensieren.

 

  1. Schreibe nun einen Text über eine werdende Mutter und ihre Ängste. Wie du ihn verfasst ist dir völlig freigestellt.

 

Mit dieser Art der Anleitung kannst du deine Ängste, betreffend deiner Mutterrolle aufdecken. Sicher sind dir einige davon bereits bekannt. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden sich aber auch neue Ängste offenbaren, die dir bisher noch nicht bewusst waren.

 

Schreibanleitung -2-

  1. Stelle dir vor, wie es sein wird, wenn du schwanger bist und schließlich ein gesundes Kind zur Welt bringst. Schreibe diese Vorstellung auf.

 

  1. Male ein Bild, dass deinen Text zusammenfasst

 

  1. Finde ein Symbol für deine Vorstellung

 

Diese Art der positiven Ausrichtung soll dich durch schwere Zeiten tragen, wenn daran zweifelst, dass es noch klappen wird oder ob der du die Belastungen weiter in Lauf nehmen willst.  Es leitet dich in die richtige Richtung. Und bereitet dich auf allen Ebenen auf die Erfüllung dieser Vorstellung vor.

 

Ich wünsche dir eine WUNDERVOLLE Zeit!

 

Wenn du Hilfe bei der Deutung deiner Texte benötigst kannst du mich gern kontaktieren.

Blog Vorstellung

Blog Vorstellung

 

Wunderwege

 

Hallo mein Name ist Tanja Krieger. Ich bin selbst seit fünfeinhalb Jahren auf dem Weg durch die Kinderwunschzeit. Mein Mann und ich haben in dieser Zeit ein Kind adoptiert, ein leibliches bekommen und wollen das Abenteuer noch einmal wagen. Doch wie ihr euch sicher denken könnt, war und ist es auch bei uns nicht einfach. Daher auch der Name Wunderwege. Denn die Wege, die unsere Kinder zu uns nahmen, sind schon speziell.

Neben meinem Muttersein, bin ich auch Heilpraktikerin für Psychotherapie mit einer Ausbildung zur Schreibtherapeutin und Yogalehrerin. Durch meine Zeit zu Hause mit den Kindern und unsere Kinderwunschproblematik, habe ich mich speziell auf Kinderwunschbegleitung ausgerichtet bzw. spezielle Schwierigkeiten, die sich dann auch in der Folge im Familienleben ergeben können.

In diesem Blog verspreche ich euch nicht, Lösungen für alle eure Probleme zu haben. Ich kann und will euch nicht versprechen, dass ihr es schafft mit meinen Anregungen schwanger zu werden. Denn mich nerven die ganzen Blogs, in denen suggeriert wird, dass sie einem mit Sicherheit helfen können, wenn man nur die Anweisungen befolgt. Sicher bekommt ihr auch Tipps und Infos zu möglichen Ursachen eures unerfüllten Kinderwunsches. Aber es ist mir vor allem ein großes Anliegen euch nicht allein zu lassen.

 

Einsam durch die Kinderwunschzeit

Mein Mann und ich haben in unserer Kinderwunschzeit erlebt, wie einsam dieser Wunsch machen kann. Denn Freunde und Familie sind schnell überfordert, wenn es nicht so klappen will, wie man sich das wünscht. Speziell in Zeiten von Corona, hat sich vieles noch verschärft, was die Belastungen von Kinderwunschbehandlungen, Schwangerschaft und Geburt angeht.

Ich habe mich noch nie so einsam gefühlt, wie in der Quarantäne bei meiner 12. Fehlgeburt, blutend wie ein angestochenes Reh. Die einzige Option ärztliche Unterstützung zu bekommen, wäre der Notruf gewesen. Doch mit Kindern im Alter von 2 und 3 Jahren möchte man das möglichst vermeiden.  Niemand sollte sich so allein fühlen müssen. Deshalb habe ich mir die mentale Begleitung von Frauen, Männern, Paaren und Familien speziell in der Kinderwunschzeit zur Aufgabe gemacht.

 

Endlich Schwanger und trotzdem wenig Freude

Aber auch, wenn es dann geklappt hat und man endlich schwanger ist, heißt das nicht, dass alles rosarot ist. Schwangerschaften nach langer Kinderwunschzeit und /oder nach wiederholten Fehlgeburten sind oft sehr mit Angst und Sorgen belastet. Auch hier möchte ich helfen, damit die Frauen wieder Vertrauen in ihren Körper fassen können. Wichtig ist dabei, dass der Kontakt zum eigenen Körper erst einmal wieder aufgebaut wird. Durch Traumatisierungen, wie Fehlgeburten, Eileiterschwangerschaften oder schwierige Geburten, kann es sein, dass der eigene Körper nicht mehr oder zum Teil wirklich gespürt wird. Dies dient dem Schutz, um nicht immer wieder mit dem Trauma konfrontiert zu werden.

Der Kontakt zum eigenen Körper ist aber gerade in der Schwangerschaft wichtig. Als Schwangere weiß man im Allgemeinen, ob alles in Ordnung ist oder nicht.  Aber nach vielen Tiefschlägen traut man sich vielleicht gar nicht mehr, irgendetwas zu fühlen oder vertraut seinen Gefühlen nicht.

Ich weiß noch als ich mit meinem Sohn ganz frisch schwanger war, hatte ich überhaupt kein Vertrauen, dass nach 10 Fehlgeburten nun endlich ein gesundes Kind auf die Welt kommen kann. Meine Hebamme, die viele Jahrzehnte Erfahrung in ihrem Beruf hat, sagte zu mir in der achten Woche, ich solle mir keine Sorgen machen. Dieses Kind würde kommen. Es will leben. Das war für mich wie eine magische Formel. So blöd es sich auch anhört. Keine Hebamme und kein Arzt der Welt kann einem sowas versprechen. Aber es entsprach auch meinem Gefühl, wenn ich es schaffte alle Angst beiseite zu schieben und auf mein Bauchgefühl zu hören.

Aber auch ohne traumatische Vorerfahrungen ist Schwangerschaft, schon aufgrund der hormonellen Situation eine besondere Herausforderung für Körper und Psyche. Und so brauchen auch Frauen hin und wieder positive Unterstützung, die sonst sehr vertrauensvoll in ihrem Körper ruhen.

 

Die selbstbestimmte Geburt

Neben dem Kinderwunsch liegt mir auch das Vorbereiten einer selbstbestimmten Geburt am Herzen. Ebenso möchte ich Frauen unterstützen, denen das nicht möglich war und die traumatische Erfahrungen unter der Geburt gemacht haben. Auf Spielplätzen komme ich immer wieder mit Müttern ins Gespräch, die mir von ihren Geburten erzählen.  Was sie mir erzählen, lässt mich manchmal zweifeln, ob wir wirklich so viel weiter sind, als im Mittelalter. Wie heute z.T. immer noch mit Frauen, noch dazu in der besonders sensiblen Phase, der Geburt und auch mit Neugeborenen umgegangen wird, ist mehr als fragwürdig.  Dabei sind es nicht nur unsensible männliche Ärzte, die Untersuchen ohne Ankündigung und Feingefühl durchführen. Es sind auch Hebammen, die unter Stress stehen, da sie mehrere Geburten begleiten. Unter dem Druck den Geburtsbetrieb möglichst reibungslos zu gestalten, werden Frauen verfrüht zu Eingriffen in den Geburtsverlauf gedrängt und in vielen Fällen ist dann eine natürliche Geburt nicht mehr möglich.

Ich habe mich damals bewusst für eine Hausgeburt entschieden, genau aus dem Grund, aus dem viele sich für die Klinik entscheiden: Es erschien mir für mich und mein Kind als das Sicherste. Und auch rückblickend war es genau das Richtige. Dies soll jedoch nicht heißen, dass jede Frau ihr Kind zu Hause bekommen soll.  Dies zu beurteilen ist jedoch oft nicht einfach. Erstens gibt es nur noch wenige Hebammen, die diesen Dienst anbieten. Zweitens raten Ärzte im Allgemeinen von einer Hausgeburt ab. Ich möchte mit dir zusammen den richtigen Weg für dich und den Kindsvater finden.

 

Mein Weg im Kinderwunsch- nur ein Weg von vielen

In meinen Beiträgen könnt ihr lesen wie wir, also ich als Frau und Mutter, mein Mann und auch meine Kinder, mit den nunmehr 17 Fehlgeburten leben.  Wie erlebten wir den unerfüllten Kinderwunsch ohne Kinder und jetzt mit unseren beiden kleinen Wundern.

Dazu kann ich euch sagen, wir schweben trotz unseres Wissens als Heilpraktiker für Psychotherapie, auch nicht über den Dingen. Wir hadern, zweifeln, haben Angst und Wut, wie jeder andere Mensch. Aber vielleicht könnt ihr euch aus meinen nun regelmäßig erscheinenden Texten etwas mitnehmen, Dinge ausprobieren, die euch helfen mit eurem unerfüllten Kinderwunsch leichter umzugehen.

Wichtig ist mir, dass niemand das Gefühl haben soll, allein zu sein, mit seiner Angst, Traurigkeit, Wut und Ohnmacht und allen Gefühlen, die dieses Thema in einem anrührt. Zu wissen, dass man nicht allein ist, dass es Manschen gibt, die dies kennen und das Leid, dass damit einhergeht aushalten und zuhören, kann schon helfen. So habe ich es zumindest erlebt. Denn bei mir gab es keinen, der mit ausgehalten hat, was ICH aushalten muss/te.  Und dabei hätte ich mir nur jemanden gewünscht, der zuhört und nicht wegläuft oder versucht mir schlaue Ratschläge zu geben, nur um sich selbst besser zu fühlen.

Also fühlt euch willkommen, mit allem was euch bewegt, rund um das Thema Kinderwunsch.

Bis zum nächsten Mal wünsche ich euch eine WUNDERvolle Zeit.

 

Tanja Krieger